Bericht über Referat von Prof. Wildi mit Folien

Professor Wildi berichtet der Versammlung, dass die Standortsuche für die Lagerung von radioaktiven Abfällen in der Schweiz vor rund 70 Jahren begann, 1949. Er erinnere sich als damaliger Student an Sondierbohrungen im Winter 1969/1970 im Aargau für schwach radioaktive Abfälle. Nach damaligem Fahrplan sei geplant gewesen, das Endlager 1990 zu eröffnen. Heute sei er der Überzeugung, dass er die Eröffnung des Endlagers nicht mehr erleben werde. Prinzipiell sei man heute im Jahr 2019 gleich weit wie damals in den frühen 1980er Jahren. Damals hätten schon Probebohrungen  in Riniken und Schafisheim stattgefunden.

Weltweit belaufe sich der hoch radioaktive Abfall auf rund 12‘000 Tonnen nach aktuellen statistischen Erkenntnissen. In der Schweiz würde der seit Aufnahme des Betriebs aller Kernkraftwerke (KKW) insgesamt entstandene (hoch-, mittel- und schwachaktive) Abfall ungefähr die Bahnhofhalle des Hauptbahnhofs Zürich mit ca. 100’000 Kubikmeter füllen. Dieses entspreche rund 0,5 % der weltweiten Produktion der Abfälle aus der „friedlichen“ Nutzung von Atomenergie durch die Schweizer KKWs.

 Relevant sei aber nicht die Quantität der Abfälle, sondern deren Toxizität. Weltweit habe man sich auf eine einheitliche Strategie des Umgangs mit dem Abfall, wie sich herauskristallisiert, geeinigt: Die geologische Endlagerung. Dieses sei die offizielle Version.

 Was man hingegen wirklich mache, sei Zwischenlagerung. Dieses sei auch in der Schweiz der status quo. Es sei unbekannt, wie  lange dieser Zustand dauern werde.

Es bestehe ansatzweise eine Alternativstrategie: Die Transmutation von hochaktiven Abfällen. Die Umwandlung von Atommüll zu dessen Entschärfung. Momentan werde das nicht aktiv weiter verfolgt.

Es bestehe weiter ein internationaler Konsens, dass jedes Land seinen eigenen Atomabfall zu entsorgen habe. Derzeit bestehe ein einziges geologisches Endlager weltweit: in Finnland; es habe jedoch noch keine Betriebsbewilligung. Es biete Platz für den Abfall von 5 finnischen KKWs. Diese Menge sei vergleichbar mit derjenigen der Schweiz. Das Problem dabei sei, dass die Schwedische Justiz die  Kupfer-Ummantelung der Abfallbehälter  bis auf weiteres ausgesetzt habe. Grund dafür seien gravierende materialtechnische Fragen; diese „Lösung“ sei daher derzeit blockiert. Deswegen gehe es auch in Schweden nicht vorwärts. Ein weiteres Problem sowohl in Schweden wie in Finnland sei, dass das geologische Endlager in zerklüftetem und daher wasserdurchlässigem Granit liege. Frankreich habe ein eher aussichtsreiches laufendes Verfahren für ein Endlager in Bure (Dept. Haute-Marne); hier besteht das Wirtgestein, so wie im schweizerischen Referenzkonzept, aus einem geringdurchlässigen Tongestein. Die USA müssten nach Rückschlägen wieder praktisch von vorne beginnen. In Deutschland sei es genauso.

Die Schweizer Behörden planten die Fertigstellung des Endlagers für das Jahr 2050 (schwach- und mittelaktive Abfälle (SMA) sowie 2060 für die hochaktiven Abfälle (HAA). Der Termin verschiebe sich allerdings stets kontinuierlich weiter in die Zukunft.

 Die Schweizer Lösung sehe Endlager in einer Tiefe von rund 500 m – 900 m vor. Das Wirtgestein sei die Formation des Opalinustons. Eine Maxime des Konzepts in der Gestaltung des Tiefenlagers sei die Möglichkeit, dass künftige Generationen die eingelagerten Abfallbehälter weiter überwachen und gegebenenfalls wieder zurückholen könnten.Die konkrete Ausgestaltung der Lagerung von HAA nach dem aktuellen Schweizer Konzept entspreche allerdings in etwa dem bald 50-jährigen schwedischen Konzept aus den 1970er-Jahren. Man wolle die verbrauchten Brennstäbe in Behälter aus Stahl-Zylindern in Stollen einlagern, die vorgängig aus dem Ton des Wirtgesteins herausgefräst worden wären. Allmählich  würde sich der Ton infolge der Bergfeuchte aufblähen (quellen) und dadurch die zylindrischen Behälter in den Stollen dicht versiegeln, so dass auch dort kein Wasser reinkomme. Problematisch sei der Umstand, dass Ton plastisch werde beim Kontakt mit Wasser. An sich sei Ton wegen seiner selbstabdichtenden Eigenschaften ein sehr geeignetes Material. Diese Plastizität bei Wasserkontakt erschwere aber die Erstellung von begehbaren Stollen durch Maschinen und Menschen. Würden diese Stollen zu gross ausgestaltet, fielen sie früher oder später in sich zusammen durch den Kontakt mit Grundwasser. Für dieses Problem bestehe noch keine robuste Lösung.

 

Abgesehen davon handle es sich um ein grundsätzlich „charmantes“ Konzept. Das Problem sei, dass es schwer umsetzbar sei. Die sich aus technisch-wissenschaftlicher Sicht stellenden Probleme würden weder seriös wahrgenommen noch gründlich angegangen. Das Ausmass der Langzeit-Korrosion der Stahlzylinder sowie das Verhalten der Bentonit-Verfüllung seien zu wenig untersucht.

Es fehle sowohl bei den Entsorgungspflichtigen (Nagra) als auch bei den Behörden (Ensi, BfE) der Wille, die offenen Fragen aus technisch-wissenschaftlicher Sicht überzeugend zu untersuchen und auf Langzeiteignung zu testen. Es bestehe quasi eine technische Blockade. Es gebe weder Fortschritte noch Verbesserungen. Dazu gesellen sich gravierende Defizite  bei der Organisation des ganzen Projekts im Sachplanverfahren.

 Das derzeit vom Bundesamt für Energie schwach geführte  Sachplanverfahren räume der  Sicherheit und den Risiken wenig Priorität ein. Es sei in erster Linie ein politischer Prozess. Dieser politische Prozess könnte letztlich ablenken von der möglichen Nicht-Eignung eines gewählten Standortes gemäss den wissenschaftlichen Kriterien. Politische Machbarkeiten könnten höher gewichtet werden als wissenschaftliche Sicherheitsüberlegungen.

Der Standort Bözberg weise zahlreiche mögliche Nutzungskonflikte im Gesteinsuntergrund auf. Frühere Bohrungen zeigten, dass ein hohes Potenzial an Kohle, Gas und vielleicht sogar Öl vorhanden sei. Eine spätere Ausbeutung dieser Ressourcen durch künftige Generationen könnte zu einem Absenken von Bodenschichten, ggf. zum ungewollten Durchbohren endgelagerter Substanzen führen. Bund und Nagra sehen die „Lösung“ dieses Konflikts in einem rechtlichen Verbot der Ausbeutung. Doch das Lager mit hochaktiven Abfällen habe einen zeitlichen Horizont von mehreren zehntausend Jahren. Es könne realistischerweise aus rechtlicher Sicht nicht über einen solchen Zeitraum und über zahlreiche Generationen  sichergestellt werden, dass eine solche  Regelung fortbestehe und ggf. auch rigoros durchgesetzt würde. Verbote könnten auch wieder aufgehoben – oder ganz einfach „vergessen“ werden. Daher sei der Bözberg als HAA-Standort ungeeignet. Auch sei eine Interferenz möglich mit Transportwegen und mit der Zementindustrie  (Abbauvorhaben in Steinbrüchen). Dieses sei auf dem Bözberg durchaus  realistisch.

 Zudem bestünden  geologische Strukturen mit tektonisch gestörten Zonen. Allein aufgrund dieser Tatsache sei die Langzeit-Sicherheit des Standorts Bözberg fraglich.

Die Finanzierung des Endlagers und der Weg dorthin sei  im Jahr 1983 auf  rund zwei Milliarden Schweizer Franken geschätzt worden. Im Jahr 2019 sei man inzwischen bei 25 Milliarden Schweizer Franken angekommen. Die Schätzung sei linear gestiegen mit jedem weiteren Arbeitsschritt und mit immer neu hinzugekommenen Erkenntnissen über Problemstellungen und deren Auswirkungen auf die Gesamtkosten. 2020 beginne der Rückbau des KKW Mühleberg. Daraus könnten weitere Hinweise auf zusätzliche Kosten entstehen. Es könnte noch viel, viel teurer werden.

 1969 wurde das erste KKW in der Schweiz ans Netz genommen und das letzte 1983. Seit ca. 80 Jahren werde in der Schweiz die Atomkraft genutzt. Die Hälfte der aktuell geschätzten Endkosten von rund 25 Milliarden Schweizer Franken sei momentan gedeckt (Entsorgungsfonds). Der Rest sei noch nicht angespart worden.

 Ereignete sich ein grosser Unfall in nächster Zeit in Europa, müsste mit einer sofortigen Stilllegung aller KKWs in der Schweiz gerechnet werden. Dann entfiele weiterer Gewinn und folglich  weitere Ersparnis für die restlichen 12,5 Milliarden Schweizer Franken. Diese müssten dann durch die öffentliche Hand finanziert werden.

 

Ethisch betont zwar die aktuelle Planungsorganisation, Sicherheit für Mensch und Umwelt zuoberst auf die Agenda zu schreiben. Handlungsziel sei, das Problem so zu lösen, dass künftige Generationen, falls diese eine Lösung für die Abfallproblematik fänden, das Endlager wieder „rückholen“ könnten. Auch werde mit der Lösung durch unsere Generation das Verursacherprinzip bestmöglich umgesetzt.

 Die Realität zeigt jedoch, dass dieses Verursacherprinzip derzeit ohnehin nicht eingehalten werde und auch nicht mehr eingehalten werden könne. Man habe sich das „Ei bereits gelegt“ für die bestehende und künftige Generationen. Die Finanzierung sei nicht sichergestellt. Eigentlich sei das völlig inakzeptabel. Man lebe derzeit in einer kollektiven Mitschuld, ähnlich wie beim Klima. Wir seien diesbezüglich eine verantwortungslose Generation.

Politisch sei die Stimmung bezüglich der Endlager stark schwankend und abhängig von äusseren Faktoren. Ereignisse wie in Fukushima würden viel Dampf in den Kessel bringen. Nach einem solchen Ereignis sei dann der Dampf bald wieder weg. Betreiberfirmen der KKWs wie die Alpiq und die Axpo gehörten zwischenzeitlich praktisch vollständig der öffentlichen Hand. Betreiber der KKWs seien eigentlich die Kantone.

 Das Interesse in der Bevölkerung hinsichtlich der Endlager-Standortwahl habe abgenommen. Der Druck sei weg. Es bestehe eine unklare Zukunft. Vielleicht fänden wir gar keine Lösung mehr in diesem Jahrhundert. Die letzten 50 Jahre Arbeiten auf diesem Thema hätten eigentlich zu praktisch nichts geführt. Man habe nichts erreicht. Das Thema habe zudem an Aktualität eingebüsst auf der politischen Agenda. Erschwerend komme hinzu, dass auch die aktuelle Stossrichtung aus wissenschaftlicher Sicht fraglich sei. Die derzeit geplanten Sondierbohrungen bringen aus seiner Sicht wenig Neues, insbesondere bezüglich der drängenden Fragen zu den akuten Nutzungskonflikten im tiefen Untergrund. Es werde absichtlich nicht tief genug gebohrt. Das Projekt in Frankreich sei erfolgsversprechender: Überzeugendes Einlagerungskonzept, keine Nutzungskonflikte mit Kohlenwasserstoff-Ressourcen im Untergrund, tektonische Stabilität (Erdbeben) etc.

Das Referat wird mit grossem Applaus durch die Versammlung verdankt. Der Präsident bittet um Erläuterungen zur Folie mit dem Profil zum Querschnitt der Gesteinsschichten im Kanton Aargau vom Rhein bis zum Hallwiler-See. Prof. Wildi nimmt detailliertere Erläuterungen vor. Er gibt auch zu bedenken, dass die Bohrtechnik in den letzten Jahren starke Fortschritte gemacht habe und mit einer Tiefe von 500 m – 900 m selbst das Risiko von terroristischen Motiven nicht ausgeschlossen werden könne. Mit aktueller Bohrtechnik könne man in rund einer Woche bis auf diese Tiefe vordringen.

Vorstandsmitglied Theo Sonderegger bittet um weitere Erläuterungen zum internationalen Ansatz. Prof. Wildi betont, dass die USA ursprünglich den „Lead“ hatten. Allerdings zeichnete sich dann eine Art Konsens ab, dass jedes Land eigenverantwortlich den eigenen Atommüll beseitigen solle. Aus wissenschaftlicher Sicht sei dieses Verhalten unvernünftig, weil der global bestgeeignete Standort gefunden werden sollte. Die Suche sollte nicht in einzelnen Ländern nach politischen Zuteilungen der Territorialität stattfinden. Die Wahl nach dem sichersten und dem bestgeeigneten Standort sollte aus wissenschaftlicher Sicht weltweit ohne Einschränkung von Landesgrenzen stattfinden. Es sei insbesondere rücksichtlich der kriegerischen Veränderungen von Territorien und Ländern in den letzten tausend Jahren fragwürdig, ob das aktuell verfolgte Konzept der Eigenverantwortung der einzelnen Länder über tausend Jahre hinweg eine sinnvolle Lösung sei.

Ein namentlich nicht bekannter Herr aus dem Publikum erkundigt sich, ob die Förderung von Kohle realistischerweise wieder aktuell werden könnte. Prof. Wildi vertritt die Auffassung, dass sich eine Tendenz abzeichne, künftig wieder Kohle aus Gesteinsschichten zu fördern. Das sei denkbar. Die Technik habe sich in diese Richtung entwickelt und entwickle sich derzeit weiter. Zwar sei Afrika für diese Kohleförderung in der Tiefe besser geeignet, da es weniger warm sei im Untergrund als in Europa. Hierorts nehme die Temperatur um 30 °C pro Kilometer Richtung Erdinneres zu. In Afrika seien es  ca. 20 °C.

Der Präsident bittet um Erläuterungen zu den aktuellen Ansätzen von China und USA, mit neuen Techniken die Energiegewinnung aus Atomenergie schonender und mit weniger Abfall zu gestalten. Prof. Wildi meint dazu, es sei nur schwer zu prognostizieren, in welche Richtung diese  Entwicklung führe. Sicher seien wirtschaftliche Motive im Vordergrund.

Ein namentlich nicht bekannter Herr erkundigt sich nach Versuchen des Paul-Scherrer-Instituts (PSI) zur Transmutation (Umwandlung von Radionukliden). Gemäss Prof. Wildi hätten diese Versuche mit kleinsten Materialmengen stattgefunden, sie seien bisher ergebnislos geblieben.

Mitglied und Pressevertreter Peter Belart erkundigt sich, welches aus Sicht von Prof. Wildi nun die geeignete Lösung sei. Dieser bittet um die nächste Frage. Es bricht Gelächter aus. Ernsthaft erläutert Dr. Wildi, dass man nicht viel weiter sei, als  zu Beginn der Überlegungen zur nuklearen Entsorgung. Der Umgang mit der Atomenergie sei ein grober Zivilisationsfehler. Es bestehe nach seiner Meinung keine „Lösung“. Man müsste aus seiner Sicht eine neue Auslegeordnung vornehmen. Man habe sich 50 Jahre lang in die falsche Richtung bewegt. Ein Neustart wäre sinnvoll. Aus seiner Sicht sollten die Landesgrenzen überwunden werden, um Lösungsansätze international verfolgen zu können. Ein schlechter Standort (z.B. auch in der Schweiz) könne die Sicherheit anderer Länder gefährden. Dafür bestehe allerdings im Moment international keine Einsicht. Man müsste mit den Nachbarn reden.

Eine Person nimmt Anstoss daran, dass sie durch Vertreter der Organisation der Standortwahl orientiert worden sei, der Standort Bözberg sei „sicher“. Sie glaube dieses nicht. Prof. Wildi bestätigt, dass Prognosen wiederholt verfrüht gemacht worden seien und werden. Der aktuelle Prozess sei weitgehend  politisch gesteuert statt wissenschaftlich-technisch. Die Standortfindung sei degradiert worden zu einer administrativen Leistung im Sachplanverfahren. Die Sicherheit sei in den Hintergrund gerückt. Auch wenn von „offizieller“ Seite jeweils das Gegenteil beteuert werde.

Der Präsident leitet über, dass diese Feststellung von Prof. Wildi exakt der Wahrnehmung von Pro Bözberg und seinem Vorstand entspreche. Die Haltung sei, dass Sicherheitskriterien imperativ vor politischer Machbarkeit stehen müssen. Dr. Wildi bestätige, dass hier der Verein sich weiter in diese Richtung engagieren solle.

 

Bericht erstellt vom Vereinsaktuar: Raphael Haltiner, redigiert durch André Lambert und Theo Sonderegger

Jahresversammlung vom 10. April 2019 mit Gastreferent Prof. W. Wildi

Die Musikgesellschaft Bözberg begleitet durch den Abend

 

17. ordentliche Mitgliederversammlung von Pro Bözberg

„Wie weiter mit dem Atommüll?“

Die Versammlung in Oberbözberg befasste sich einmal mehr kritisch mit den Themen „Tiefenlagerstandort für radioaktive Abfälle“ und „Waldbewirtschaftung“. 

Bericht von Max Weyermann

Wie Präsident Otto H. Suhner gleich zu Beginn der von rund hundert Personen besuchten Versammlung in Oberbözberg betonte, bleibt die schonende Waldbewirtschaftung weiterhin ein prioritäres Anliegen des Vereins. Dieser zählt aktuell 1716 Mitglieder aus nah und fern und setzt sich seit seiner Gründung vehement für die Erhaltung des zwischen den Zentren Zürich und Basel liegenden Erholungsraums ein. Suhner hielt unmissverständlich fest, dass die aktuelle Art einer falsch verstandenen „Bewirtschaftung“ mit grossflächigen und radikalen Holzschlägen in einem eidgenössisch geschützten BLN-Gebiet sowie in Wald- und Landwirtschaftsschutzgebieten von kantonaler Bedeutung unverantwortlich sei und so nicht hingenommen werden könne. Man erwarte in diesem Zusammenhang nach wie vor von den zuständigen kantonalen und kommunalen Behörden eine zielgerichtete Intervention.

Der gut besuchte Anlass mit gegen 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern

 

Zwei Rücktritte aus Vorstand

Mitte 2018 hat Nathalie Detsch die Nachfolge von Martina Bräutigam als Geschäftsführerin übernommen. Nach ihrer Vorstellung und der Behandlung der finanziellen Traktanden stand das Wahlgeschäft auf dem Programm.  Nach 17 Jahren Vorstandstätigkeit trat Werner Hunziker zurück und wurde mit dem besten Dank sowie mit Geschenken verabschiedet. Zudem musste die Versammlung in absentia von der Demission von Vorstandsmitglied Heiner Keller Kenntnis nehmen. Ihre Bestätigung für eine weitere Amtsperiode erhielten Präsident Otto H. Suhner, Vizepräsident Kurt Bräutigam, Aktuar Raphael Haltiner, Kassier Max Stähli und die Mitglieder René Müller, André Lambert und Theo Sonderegger. Für die Ergänzung des Vorstandes sind nun neue Kräfte gefragt. Wie in Sachen aktuelles Tätigkeitsprogramm zu erfahren war, stellt der Verein den traditionellen Anlass zum eidgenössischen Buss- und Bettag vom 15. September unter das Thema „40 Jahre Stiftung Musica Espanola Schweiz/Bözberg“. Die Bözberger Pianistin und Stiftungspräsidentin Maria Luisa Cantos wird zusammen mit Amri Alhambra mit Interpretationen auf zwei Konzertflügeln zu hören sein.

Nathalie Detsch und Otto Suhner verabschieden Werner Hunziker

 

Unsicherheit in Endlager-Frage

Als diesjähriger Gastreferent ging Walter Wildi auf das Thema „Vom KKW zum Tiefenlager“ ein. Der Geologe ist Professor  an der Universität Genf. In Fachgremien war er wie folgt tätig: 1989 bis 1997 Mitglied der Kommission Nukleare Entsorgung, 1997 bis 2000 Präsident der Eidgenössischen Geologischen Kommission, 1999 bis 2000 Präsident der Expertengruppe Entsorgungskonzepte für radioaktive Abfälle, 2000 bis 2002 Präsident der Fachgruppe Wellenberg des Kantons Nidwalden, 2002 bis 2007 Mitglied der Kommission für die Sicherheit von Atomanlagen, 2009 bis 2012 Beirat nukleare Entsorgung. Wildi hielt unter anderem fest, dass man in der Schweiz bereits seit fünf Jahrzehnten mit grossem Aufwand nach einer Lösung für die Endlagerung von radioaktiven Abfällen suche, bisher ohne konkretes Ergebnis. Im Fokus stehen nach wie vor die Standorte Jura Ost, Nördlich Lägern und Zürich Nordost (Weinland). Ob es angesichts der technischen Probleme dereinst einmal zu einer dauernden geologischen Endlagerung kommen werde, sei ungewiss. Weltweit werde in Tat und Wahrheit die zeitlich unbegrenzte Zwischenlagerung praktiziert. Gemäss Sachplanverfahren wäre jedoch die ursprünglich für die 1990-er-Jahre geplant gewesene Inbetriebnahmen der Lager ab 2050 (schwach- und mittelradioaktive Abfälle) und 2016 (hochaktive Abfälle) vorgesehen. Wie der Verein Pro Bözberg hält auch Walter Wildi fest, dass sich ein Standort in der Schweiz allein an dessen Sicherheit orientieren müsse und nicht an der politischen Machbarkeit. Im Gebiet Bözberg (Jura Ost) wären nach seiner Meinung geologische Nutzungskonflikte und wohl ein Scheitern des Projektes vorprogrammiert. Ein weiteres Problem sind die stetig steigenden Kostenprognosen für die Stilllegung der Kernkraftwerke und der Entsorgung. Während der Aufwand 1983 noch auf 2 Milliarden Franken geschätzt worden war, liegt man heute schon bei mehr als 25 Milliarden. Der Referent wies auch darauf hin, dass auch eine Lösung im und mit dem Ausland Sinn machen könnte. „Unsere für den Abfall verantwortliche Generation sollte die Angelegenheit nicht auf unsere Nachkommen abschieben“, so Wildi. Im Zusammenhang mit der ganzen Problematik wird der Vorstand von Pro Bözberg Ende Mai 2019 die beiden für die nukleare Entsorgung in Frankreich zentralen Anlagen Felslabor für hochradioaktive in Bure  und Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle Centre de l’Aube auf eigene Kosten besuchen.

Pro-Bözberg-Präsident Otto H. Suhner (links) dankt Professor Walter Wildi für sein kritisches Referat zur Atommüll-Problematik.

 

Buch-Neuerscheinung von Marcos Buser

Wohin mit dem Atommüll?

Das nukleare Abenteuer und seine Folgen. Ein Tatsachenbericht

 

256 Seiten, 19.0 × 12.0 cm, Broschur

ISBN 978-3-85869-820-9, 1. Auflage

CHF 26.-

Dieser Titel ist auch als E-Book erhältlich

 

Die nukleare Entsorgungsmaschinerie rotiert seit nunmehr vier Jahrzehnten. Mit notorischem Zweckoptimismus, propagandistisch parfümierter Schönfärberei, intransparentem Vorpreschen, so unerfüllbaren wie unerfüllten Prophezeiungen und gescheiterten Projekten manövrierte sie sich wiederholt und mit Vertrauensschwund in die Sackgasse. Überforderte Bundesstellen verhüllen sich hinter einem als „Sachplan“ bezeichneten Schleier aus unklaren Zuständigkeiten, Gremien, Experten, Gegenexperten, hochbezahlten Lobbyisten aus PR-Agenturen, Regionalkonferenzen usw. Die Bevölkerung durchschaut längst nicht mehr, wer sich hinter welchen Abkürzungen verbirgt, wer in der  „Entscheidungsfindung“ welche Rolle spielt, wer überhaupt entscheidet: BR, BFE, ENSI, NAGRA, KNS EGT, RK, Vera und wie sie alle heissen.

Einen längst fälligen Blick hinter diesen Schleier gewährt ein neues Buch, das im Rotpunktverlag erschienen ist. Autor und Geologe Marcos Buser, Jahrgang 1949, führt den Leser durch diesen Filz. Er kennt die Szene seit 40 Jahren, u.a. als Mitglied der vom Bundesrat beauftragten Expertenkommission für das schweizerische Endlagerkonzept (EKRA) sowie der Eidgenössischen Kommission für nukleare Sicherheit (KNS).

 

Ein lesenswerter Einblick in die über weite Strecken nebulösen Abläufe in der bisherigen Geschichte der Atommüll-„Entsorgung“. Wer sich für die Sache interessiert und sich persönlich ein Bild machen möchte, dem empfehlen wir diese Schrift.

Auf https://rotpunktverlag.ch/buecher/wohin-mit-dem-atommull ist eine umfangreiche Leseprobe abrufbar.

 

Bund und Nagra rücken Villigen ins Fadenkreuz – und damit den Bözberg auf die Pole Position?

 

 

Atomendlager: Die Standortfrage spitzt sich zu

Noch kurz vor Ende ihrer bundesrätlichen Magistratur konnte Doris Leuthard eine lästige Pendenz erledigen, die ihre Uvek-Beamten – blindlings den Nagra-Strategen vertrauend – schon mal anderthalb Jahre früher terminiert hatten: Den Entscheid des Bundesrats zur Etappe 2 im „Sachplan geologische Tiefenlager“ (SGT) und damit den Start zur Etappe 3. Für die Region des Bözbergs, für den Kanton Aargau und für seine Regierung bedeutet dies: Wachsamkeit auf allen Stufen!

Ein Blick in den Rückspiegel

Das nichts aussagende Wortkonstrukt „Geologische Tiefenlager“ verbrämt den zwar negativ konnotierten dafür die Sache beim Namen nennenden Begriff „Atom-Endlager“. Denn darum geht es. Nach wie vor. Seit 40 Jahren.

„Wann ist das Endlager bezugsbereit?“, fragten Journalisten vor 37 Jahren den ersten Nagra-Chef Rudolf Rometsch, worauf dieser orakelte: „Um die Jahrtausendwende.“ Stattdessen folgte bereits 1988 mit der Bruchlandung des Projekts „Gewähr“ das amtlich besiegelte „Aus“ für das kristalline Grundgebirge (aus Granit und Gneis) als Endlager-Wirtgestein. Ein Schleier des Schweigens legte sich auf das terminiert „bezugsbereite“ Endlager.

Zu allem Übel sagte dann das Stimmvolk von Nidwalden zweimal „Nein danke!“ zum Wellenberg. Und als 2002 die Nagra unter dem Zeit- und Kostendiktat ihrer Verwaltung das Zürcher Weinland aufgrund nur einer Bohrung handstreichartig zum Endlager-Standort erklären wollte, gelang dem aus seiner Lethargie jäh aufgeschreckten Uvek-Chef Moritz Leuenberger ein überraschend schlauer Schachzug: Er zauberte den eingangs erwähnten Sachplan geologische Tiefenlager (SGT) aus dem Hut und dispensierte sich damit gleich selbst in elegantester Weise und bis zum Ende seiner (damals noch nicht absehbaren) Amtszeit von jedem Entscheidungszwang im ungeliebten „Endlager-Dossier“. Denn mit dem „Sachplan“ sollte die Standortsuche mit anpassbaren Kriterien neu aufgegleist werden: Zurück auf Feld eins!

Also startete 2008 das SGT-Verfahren unter „Führung“ des Bundesamts für Energie (BFE) mit einer so unübersehbar verflochtenen wie unkontrolliert wuchernden Entourage von Gremien, Kommissionen, Foren, einem Inspektorat, Regionalkonferenzen, Beiräten, Ausschüssen, Experten, Gegenexperten usw., usf.

Pikanterweise – weil überraschungsfrei vorhersehbar – steht nun nach einer Sachplan-Dekade und Tausenden von Berichts-, Gutachten- und Expertisen-Seiten fest, dass die wenigen noch „im Rennen“ verbleibenden Gebiete und Gesteine identisch sind mit den „Optionen“, welche die Nagra bereits im Jahr 2005 als „präferenziell“ deklariert und publiziert hatte (Nagra 2005). So steht die Nagra also da, wo sie sich diese millionenteure Ehrenrunde mit ihrem Vorprellen im Zürcher Weinland vor 17 Jahren gleich selber eingebrockt hatte.

Mittlerweile ist Moritz Leuenberger als Mitglied des Bundesrats eine Randnotiz im Geschichtsbuch, Doris Leuthard seit ein paar Wochen ebenso. Letztere konnte in extremis noch die Sachplan-Etappe 3 einläuten. Demzufolge sollen nun also – hinsichtlich eines gemäss Kernenergie-Gesetz einzureichenden Rahmenbewilligungsgesuchs (RBG) für ein (oder zwei) Endlager – die Gebiete Nördlich Lägern, Bözberg und Zürcher Weinland weiter untersucht werden. Zuvor hatte zwar die Nagra noch einmal versucht, auf windschiefer Faktenlage das Gebiet Nördlich Lägern zeit- und aufwandsparend aus dem weiteren Verfahren zu kippen – vorzeitig und möglichst geräuschlos. Doch solchen Hauruck mochten die Fach-Experten der Kantone nicht goutieren und zwangen die Nagra mit sachlich solid verstrebter Argumentation, auch dieses Gebiet weiterhin in ihre Erkundungen einzubeziehen. Dass das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi) erst nach Kenntnisnahme der kantonalen Experten-Befunde gar nicht mehr anders konnte, als sich der Forderung der Kantone anzuschliessen, lässt zumindest auf diesem Sachgebiet Zweifel an der Fach-Kompetenz dieser Aufsichtsbehörde aufkeimen.

Sachplan Etappe 3: Startrampe zur Rahmenbewilligung

Gemäss den Konzepten der Nagra für die Standortuntersuchung in SGT-Etappe 3 (Nagra 2014a) soll  „die Datengrundlage bis zum Rahmenbewilligungsgesuch vollständig erarbeitet werden“. Es geht also um die Wurst, denn mit einer erteilten Rahmenbewilligung würde der Standort eines Endlagers als atomare Anlage nach Kernenergierecht festgelegt.

Als Eckpfeiler ihrer Explorationsstrategie hat die Nagra in allen drei verbleibenden potenziellen Standortgebieten eine Serie von Gesuchen für Tiefbohrungen eingereicht. Befunde und Erkenntnisse aus diesen Bohrungen sollten dann mit den Ergebnissen der 3D-seismischen Erkundung kombiniert und in ein räumliches geologisches Modell der Struktur und des Schichtaufbaus integriert werden. Dies ist die unverzichtbare Grundlage, um in einer umfassenden Geo-Synthese die Gegebenheiten des Gesteins-Untergrundes und seine mögliche Eignung für die langzeitsichere Aufnahme eines Endlagers beurteilen zu können.

Soweit so nachvollziehbar. Doch als Zäsur von inhärent gesellschaftspolitischer Brisanz zeichnet sich am Planungshorizont die Bekanntgabe ab, für welchen Standort (oder welche Standorte) die Nagra ein Rahmenbewilligungsgesuch vorbereiten will. In ihren ursprünglichen, auf habitueller Wunschprojektion beruhenden Planungen hatte die Nagra diesen „Meilenstein“ bereits einmal für das Jahr 2019/20 als „provisorische Standortwahl“ kundgetan (Nagra 2014b)

Dieses einmal mehr als provokativ empfundene Powerplay stiess namentlich auch beim Ausschuss der Kantone (AdK) auf Ablehnung. Er kritisierte in seiner Stellungnahme zu Etappe 2 vom September 2017:

„Faktisch erfolgt mit diesem Schritt die Standortwahl für ein oder zwei Tiefenlager. Entscheidungsgrundlagen und Auswahlargumente müssen wissenschaftlich-technisch fundiert sein; dies bedingt zumindest in den Grundzügen frühzeitig deren Begutachtung, damit das Risiko eines Fehlentscheids – und damit das Misslingen des Sachplans – minimiert werden kann.“

 

Unabhängig davon reichte der Vorstand des Vereins „Pro Bözberg“ dem „Technischen Forum Sicherheit“ im September 2017 formell eine Frage zu dieser politisch heiklen Präzedenz der Standortwahl ein.

Wie aus den darauf eingegangen Antworten der zuständigen Behörden (BFE, Ensi) zu entnehmen ist, erkannten diese immerhin den politischen Zündstoff: Denn die Nagra hat zugesichert, ihren internen Entscheid nicht nur öffentlich bekanntzumachen sondern mit einem begleitenden Bericht zu begründen. Mehr nicht.

 

Daher gilt es für die Bevölkerung des Bözbergs, die weitere Entwicklung mit Argusaugen zu verfolgen und sowohl auf Verfahrenstransparenz und propagandafreie Information über die nun anlaufenden Felduntersuchungen (namentlich Tiefbohrungen) zu bestehen.

 

Aargauer Regierung lehnt das Endlager weiterhin ab

Auch die Regierung des Kantons Aargau hat in ihrer Stellungnahme zum Start der 3. Sachplan-Etappe ihre grundsätzlich ablehnende Haltung gegen den Standort Bözberg bekräftigt (Kanton Aargau 2018). Zu ihren wichtigsten Bedenken zählen mögliche Beeinträchtigungen der Grund-, Mineral- und Thermalwassernutzungen. Ausgesprochen kritisch äussert sich der Regierungsrat zur örtlichen Wahl und raumplanerischen Vor-Festsetzung der sogenannten Oberflächenanlagen.

Denn im angeblich „ergebnisoffen und sicherheitsgerichtet geführten“ Sachplan-Verfahren haben Bund und Nagra den Standort Villigen für die Atommüll-Verpackungsanlage bereits als Zwischenergebnis im Sachplan festgesetzt, statt erst als Vororientierung. Gegen diesen raumplanerischen Stosstrupp aus Bern protestiert die Aargauer Regierung folgerichtig. Denn damit würde das atomare Kuckucksei faktisch ins nuklear vorgeheizte Nest im unteren Aaretal gelegt, bevor die Standort-Erkundung in allen Regionen überhaupt erst begonnen hat. Zudem würde der Bözberg als Endlagerstandort obligat auf die Pole-Position vorrücken, denn er liegt nur vier Tunnel-Kilometer vom Standort in Villigen entfernt. Mithin drängen sich die geografischen Opportunitäten offenkundig in den Vordergrund. Für den Kanton Aargau ist indes das Primat der Sicherheit unantastbar: die Regierung ist weiterhin gefordert – mehr denn je!

Ausschlusskriterien und internationaler Vergleich

Zusätzlich zu den geltenden Sicherheitskriterien gemäss „Konzeptteil Sachplan“ verlangt das Kernenergiegesetz (KEG Artikel 14) die vorgängige Festlegung von „Ausschlusskriterien, bei deren Nichterfüllung ein vorgesehener Lagerbereich wegen fehlender Eignung ausgeschlossen wird“.

Zudem erwartet Pro Bözberg, dass in einem grenzüberschreitenden (zumindest europäischen) Risikovergleich die auf internationaler Ebene anerkannten Kriterien angewendet werden. Darauf basierend sollen die länderspezifischen Sicherheitsunterschiede transparent aufgezeigt, entsprechende Schlussfolgerungen gezogen sowie ggf. in letzter Konsequenz Kurskorrekturen in der nuklearen Entsorgungspolitik der Schweiz vorgenommen werden.

Autor: André Lambert, Vorstand pro Bözberg

 

Referenzen

 

Kanton Aargau (2018): https://www.ag.ch/de/weiteres/aktuelles/medienportal/medienmitteilung/medienmitteilungen/mediendetails_97153.jsp

 

Nagra 2005: Darstellung und Beurteilung der aus sicherheitstechnische-geologischer Sicht möglichen Wirtgesteine und Gebiete. – Nagra Tech. Ber. 05-02

 

Nagra 2014a: Konzepte der Standortuntersuchungen für SGT Etappe 3. – Nagra Arb. Ber. 14-83

 

Nagra 2014b https://www.nagra.ch/data/documents/database/dokumente/$default/Default%20Folder/Publikationen/Infos/d_info42.pdf

Wie viel Kohle liegt unter dem Bözberg?

Wie viel Kohle liegt unter dem Bözberg?

Nagra und Ensi wollen es nicht wissen – aus „gutem“ Grund!

 

Ein Doppel-Flop

Der Champagner war schon kühlgestellt in jenem Frühsommer des Jahres 1983, als die Bohrkrone der Nagra-Sondierbohrung im zürcherischen Weiach, nahe der Aargauer Kantonsgrenze, in 990 m Tiefe das (früher Urgestein genannte) „Kristallin“ erreichen sollte: Granite und Gneise galten damals als das „einzig richtige“ Gestein für die Aufnahme eines atomaren Endlagers. Doch was die Bohrung dann – im Wortsinn – zutage förderte, war alles andere als solider Fels, sondern hunderte von Metern Sedimentgesteine (Sande, Silte, Tone). Und, um das Fiasko noch zu toppen, durchteufte die Bohrung in diesen Sedimenten wiederholt Kohleschichten: in der Summe 32 m mächtige Kohleflöze von teilweise ausgezeichneter Qualität. Erst 2 km unter der Erdoberfläche stiess die Bohrung endlich auf den Gneis des Grundgebirges: in solcher Tiefe ist ein Endlagerbergwerk technisch  nicht realisierbar. Es war der Anfang vom Ende der Option „Kristallin“ als Endlagergestein in der Schweiz. – Die Champagner-Korken knallten nicht.

Das räumliche Ausmass der Sedimentgesteine aus dem Erdzeitalter des Perms und des Karbons im Untergrund der Nordschweiz zeigte sich erst nach und nach in den Aufzeichnungen reflexionsseismischer Profilaufnahmen als Konturen gewaltiger, trogförmiger Vertiefungen, welche sich im Lauf der Erdgeschichte, nämlich am Ende des Paläozoikums (= Erdaltertum) entlang tektonischer Verwerfungen bis mehrere Kilometer tief in den kristallinen Sockel eingesenkt hatten (Abb. 1). Diese Erkenntnisse über die Ausdehnung des seither so genannten «Permokarbontrogs» waren neu. Die Nagra hatte es trotz gutgemeintem Rat unabhängiger Experten – in Selbstüberschätzung und vorauseilendem Zweckoptimismus – als verzichtbar erachtet, tiefreichende seismische Messungen vorgängig der millionenschweren Bohrungen durchzuführen. Dafür bekam sie die Quittung aus dem Untergrund.

Abb. 1: Geologisches Profil (NNW–SSE, nicht überhöht) durch die Bohrung Riniken, vom Rhein über den Jura zum Mittelland. Mit roten Linien sind tektonische Trennelemente dargestellt (Bruchstrukturen, Überschiebungen). Der im kristallinen Grundgebirge tektonisch eingesenkte Permokarbontrog (braune und graue Farben) ist bis mehrere Kilometer tief  (nach Pfiffner, 2009). Die rund hundert Meter mächtige Schicht des Opalinustons befindet sich innerhalb der Ablagerungsgesteine aus der erdgeschichtlichen Jurazeit (in der Abbildung mit blauer  Farbe bezeichnet). Die Bohrung Riniken  durchteufte diese Tonsteinschicht zwischen 331 und 451 m unter der Terrain-Oberfläche. Unter dem Bözberg verläuft die Obergrenze der Opalinuston-schicht, je nach den topographischen Gegebenheiten, im Tiefenbereich von 300 bis 400 m.

 

So musste die Nagra dann schliesslich ihre (ebenfalls auf das kristalline Grundgebirge fokussierte) Bohrung bei Riniken (1983/84) in 1800 m Tiefe abbrechen, mitten in den kilometermächtigen Perm-Sedimenten (Abb. 1).

Damit aber blieb – und bleibt! – die Frage unbeantwortet, ob in den tieferen Schichten des Karbonzeitalters, nicht auch noch Kohle und Kohlenwasserstoffe vorkommen.

 

Denn wie noch zu erläutern sein wird, führen nutzbare Rohstoffe im tiefen Untergrund gemäss den Sicherheitskriterien des Bundes in einen unlösbaren Nutzungskonflikt, weil ein Endlager über einer solchen Rohstoff-Ressource nicht gebaut werden darf. Dies ist in den Kriterienlisten des Sachplan-Konzeptteils mit akkurater Unzweideutigkeit  festgelegt.

 

Rohstoffe im Untergrund der Nordschweiz: Konsequenzen für Endlagerprojekte

Die Permokarbontröge erstrecken sich, soweit bekannt,  mit etlichen Verzweigungen räumlich verbreitet durch den tiefen Untergrund der Nordschweiz (Abb. 2). Sie gelten aufgrund gesicherter Erkundungsergebnisse als Regionen mit hohem Potenzial für das Vorkommen und die zukünftige Nutzung von Kohle und Kohlenwasserstoffen. Zudem stehen die potenziell Thermalwasser führenden Randstörungen der Tröge als bevorzugte Zielgebiete möglicher Nutzung von geothermischer Energie im Fokus prospektiver Interessen.

Hinsichtlich der nuklearen Entsorgung in geologischen Tiefenlagern wirft der Permokarbontrog (und namentlich sein potenziell nutzbarer Inhalt) in der Schweiz Fragen bezüglich von Interessenkonflikten und Risiken auf, welche die „Sicherheit der Endlagerung“ in Frage stellen.

Abb. 2: Vermuteter und teilweise gesicherter Verlauf der Permokarbontröge in der Nordschweiz sowie im Mittelland (entspricht der Basis des Schichtstapels von der Trias bis und mit Tertiär). In diskreten Umrissen erkennt man die von der Nagra vorgeschlagenen geologischen Standortgebiete. Die blaue Linie entspricht etwa dem Verlauf der Profilspur des geologischen Querschnitts in Abb. 1.

Das Konzept eines geologischen Endlagers basiert auf der Annahme, dass hochradioaktive Stoffe bis zu einer Million Jahre so sicher im geologischen Untergrund eingeschlossen werden, bis durch den Zerfall der radioaktiven Substanzen ihre Gefährlichkeit abgeklungen ist. Über diesen Zeitraum soll der Einschluss durch Abfallbeschaffenheit, Behälter, Stollenverfüllung und Gestein „wartungsfrei“ (d.h. ohne Sicherung und Bewachung durch Menschen) gewährleistet sein. Das bezeichnen Entsorgungsorganisationen wie die Nagra in diversen Ländern weltweit als „sicheres Endlager“. Doch die Sache hat einen Haken: Sollten nämlich in absehbarer oder weiter Zukunft lebende Gemeinschaften je auf den Gedanken kommen, noch während der nuklearen Abklingzeit nach Rohstoffen im Permokarbontrog zu suchen (Geothermie, Kohle, Gas, CO2– und Kohlenwasserstoff-Gasspeicherung im Untergrund) könnten sie ungewollt auf das Endlager stossen und radioaktiven Substanzen den Weg ins Freie öffnen.

In diesem Zusammenhang sind die „Beurteilungskriterien“ gemäss Konzeptteil des Sachplans geologische Endlager unmissverständlich formuliert (siehe Tabelle A1-8, Kriteriengruppe „Langzeitstabilität“ und „Nutzungskonflikte“; Bundesamt für Energie 2011):

„Beurteilt werden die nutzungswürdigen Rohstoffe und die sich daraus allfällig ergebenden Nutzungskonflikte. Insbesondere wird beurteilt, ob im oder unterhalb des Wirtgesteins … wirtschaftlich nutzungswürdige Rohstoffe (z. B. Salz, Kohlenwasserstoffe, Geothermie, Mineralquellen und Thermen) … vorkommen. Beurteilt wird …, ob die Erschliessung und Nutzung der Rohstoffe die Barrierenwirkung des Wirtgesteins beeinträchtigen (Schichtverletzung) oder das Lager direkt treffen könnte.
Günstig ist, wenn keine Rohstoffe, … innerhalb des Standortgebietes vorkommen.“

 

Fossile Kohlen und Kohlenwasserstoffe: Steinkohle und Erdgas

Die bisher erschlossenen Kohleflöz-Vorkommen liegen zwar in rund 1.5 km Tiefe, was ihre Nutzung gegenwärtig erschwert. Doch neuere Methoden der in situ Kohleflöz-Entgasung (Coalbed Methane, CBM) ermöglichen – allein durch Bohrungen – seit den 80er Jahren die Gewinnung von Kohlenwasserstoffen, ohne ihre aufwändige bergbautechnische Erschliessung bis in grosse Tiefen. Das Potenzial für Kohle und Kohlenwasserstoffe erstreckt sich über das gesamte Verbreitungsgebiet der Permokarbontröge. Diesen Befund belegt auch eine auf Erkundungsarbeiten der Nagra basierende  Karte  der potenziellen Kohlenwasserstoff-Ressourcen (vgl. Abb. 2), im Aargau auf einer Breite von 7-9 km Ost–West quer durch den Kanton (Eberhard 2016, Abb. 6).


Geothermie

Naturgegebene radioaktive Zerfallsprozesse im tiefliegenden Gestein des Erdmantels und der Erdkruste (z.B. die Transformation von Uran oder Thorium über verschiedene Nuklidstufen zu Blei) verlaufen exotherm, d.h. es wird Umgebungswärme produziert. Diese Wärme, die bis an die Erdoberfläche vordringt, wird unter dem Begriff Geothermie subsummiert. Je nach Beschaffenheit der Gesteinsschichten erfolgt der Wärmefluss infolge der unterschiedlichen Wärmeleitfähigkeit in abweichender Intensität (im Normalfall gilt als Faustregel eine Wärmezunahme von rund 3°C pro 100 m Tiefe). Doch an Bruchstellen der Erdkruste, wo der ursprünglich kompakte Gesteinsverband mechanisch durch Risse und Verwerfungen  geschwächt wurde, kann der geothermische Fluss lokal stark erhöht sein, namentlich wo zirkulierendes Tiefenwasser nach seiner Erwärmung auf bevorzugten Fliesspfaden beschleunigt den Weg als Thermalwasser Richtung Erdoberfläche findet.

Allein die Präsenz von drei bedeutenden Thermalwasser-Nutzungen auf dem Aargauer Territorium ( Schinznach, Baden, Zurzach) ist ein starkes Indiz für regional aussergewöhnlich hohen Erdwärmefluss. In der Tat ist das geothermische Potenzial aufgrund der geologisch-tektonischen Gegebenheiten im Aargau, insbesondere rund um den Bözberg, besonders vielversprechend. Wie neuere Untersuchungen zeigen (Medici & Rybach 1995), kann im Kanton Aargau mit Wärmestromdichten von über 130 Milliwatt pro Quadratmeter (mW/m2) gerechnet werden (Durchschnittswert in der übrigen Schweiz ca. 80 mW/m2). Dies wird hauptsächlich auf tiefgreifende tektonische Schwächezonen im Grundgebirge (Randstörungen des Permokarbontrogs) zurückgeführt sowie auf Brüche und Gesteinsüberschiebungen im Faltenjura (Eberhard 2016, Abb. 6 und 7). Verschiedene Machbarkeitsstudien befassen sich denn auch mit möglichen Nutzungen der Tiefengeothermie im Kanton Aargau. Namentlich im Bereich der Permokarbontröge, wo der kristalline Untergrund entlang der Randstörungen in die Tiefe sackte, sind die Voraussetzungen für die Nutzung der Tiefengeothermie in hohem Masse gegeben.

 

 Nagra und Ensi verschliessen Augen und Ohren

Jede Forderung, die  Nagra solle ihre vorgesehenen Sondierbohrungen im Bereich des Bözbergs bis auf den Grund des Permokarbontrogs vertiefen, um damit weitere Erkenntnisse über die kilometermächtigen  Sedimente aus der Perm- und  Karbonzeit zu gewinnen, wird von der Nagra und der Aufsichtsbehörde (Ensi) in gewohnter Einigkeit mit fadenscheinigen Argumenten abgewiesen. Man lese dazu beispielsweise die bagatellisierenden und in ihrer Absurdität stellenweise kaum zu überbietenden Formulierungen aus der Broschüre der Nagra “Ressourcen im Untergrund und geologische Tiefenlager – ein Konflikt?”

Darin ist u.a. zu vernehmen (Zitat): “Ist ein Tiefenlager errichtet worden, muss der Standort durch einen Schutzbereich gemäss Art. 40 Kernenergiegesetz vor anderen Nutzungen geschützt werden.” Sachdienlich präzisierend ergänzen wir: “… während der folgenden Million Jahre.”

Die Tatsache, dass sich heute offensichtlich sowohl Nagra als auch Ensi um die vertiefte Erkundung der Permokarbon-Vorkommen im geologischen Untergrund der evaluierten Lagerstandorte drücken, basiert also auf einem alles andere als ergebnisoffenen und daher fragwürdig-durchsichtigen Winkelzug. Denn die im Grundgebirge nachweislich, bzw. mit hoher Wahrscheinlichkeit vorhandenen Rohstoffe kann man nicht einfach mit einem “Verbot” oder einer “gesetzlichen” Auszonung vor späterer Ausbeutung schützen. Allein schon der schlichte Befund – z.B. einer Geothermiebohrung, die auf mehr als nur Wärme stösst –, könnte den Tiefenlager-Sachplan-Dampfer in arge Seenot bringen.

 

***

Fazit: Das Ressourcen-Potenzial im tiefen Untergrund des Bözbergs muss nach dem Stand der Explorationstechnik abgeklärt und seine Nutzungswürdigkeit bis zu einem  Zeitraum von einer Million Jahre evaluiert werden, bevor ein Endlager-Projekt realisiert wird.

Alles andere untergräbt die Glaubwürdigkeit sowohl der Nagra als auch namentlich der Aufsichts- und Bewilligungsbehörden des Bundes bezüglich ihrer eigenen Beurteilungskriterien. Solange konkret absehbare Risiken nicht faktenbelegt ausgeschlossen werden können, ist ein Endlager ganz einfach nicht “langzeit-sicher” mithin gegebenenfalls gar gesetzeswidrig.

Sollte also die vorgängige Abklärung der Vorkommen von Kohle, Gas und eventuell Erdöl unterbleiben, ist auch davon auszugehen, dass die vom Parlament referendumsfähig erteilte Rahmenbewilligung in einer Volksabstimmung mit grosser Wahrscheinlich abgelehnt wird: Ein nuklearpolitischer Trümmerhaufen.

 

André Lambert und Heiner Keller, Mitglieder des Vorstandes

 

Referenzen

Bundesamt für Energie (2011): Konzeptteil Sachplan geologische Tiefenlager (Rev.)

http://www.bfe.admin.ch/themen/00511/01432/06821/index.html?lang=de&dossier_id=06900

Eberhard, M. (2016): Geothermie im Kanton Aargau. Aarg. Naturf. Ges. Mitt. 2016, Bd. 38: 81-112.

Medici, F. & Rybach, L. (1995): Geothermal map of Switzerland 1:500‘000 (Heat Flow Density). Beitr. Geol. Schweiz, Ser. Geophys. Nr. 30, Schweiz. Geophys. Komm.

Nagra.aus verantwortung (2017): ressourcen im untergrund und geologische tiefenlager – ein konflikt?

https://www.nagra.ch/data/documents/database/dokumente/$default/Default%20Folder/Publikationen/Broschueren%20Themenhefte/d_Faltblatt_Ressourcen_2017.pdf

Pfiffner, O.A. (2009): Geologie der Alpen. Haupt Verlag, Bern, Stuttgart, Wien. ISBN 978-3-8252-8416-9

Leserfotos: Forstwirtschaft auf dem Bözberg

Guten Tag

Diese Spuren einer fragwürdigen Waldbewirtschaftung habe ich heute Morgen bei der Schnellen auf Bözberger Gemeindegebiet gesehen. Etwa 6 solcher Spuren sind am Waldweg bei den Froschteichen auf einer Länge von etwa 400 Meter zu sehen.

Herzlich grüsst Heinz Schlittler
13.4.2018

Spuren Waldbewirtschaftung bei der Schnellen auf Bözberger Gemeindegebiet Etwa 6 solcher Spuren sind am Waldweg bei den Froschteichen auf einer Länge von etwa 400 Meter zu sehen.

 

Waldbewirtschaftung bei der Schnellen auf Bözberger Gemeindegebiet am Waldweg bei den Froschteichen.

 

Pro Bözberg und die Waldbewirtschaftung

Waldbewirtschaftung

Fast die Hälfte der Landschaft rund um den Bözberg ist bewaldet. Gemäss Aargauischem Waldgesetz bestimmen die Waldeigentümer über die Bewirtschaftung des Waldes. In neuerer Zeit haben die Gemeinden (Ortsbürgergemeinden und Einwohnergemeinden) diese Kompetenz weitgehend an Forstbetriebe und Forstunternehmungen abgetreten. Diese versuchen, mit immer schematischerem Vorgehen, immer mehr Maschineneinsatz und immer mehr öffentlichen Geldern den Wald so zu nutzen, dass der Forstbetrieb Ende Jahr schwarze Zahlen schreibt. Übrig bleiben Kahlschläge, Forste ohne Bäume, Forststrassen mit abrasierten Rändern gestörte Böden, angeschlagene Bäume und veränderte Gewässer.

So Nicht: Die waldzerstörenden Spuren der Forstwirtschaft sind an vielen Orten unübersehbar. Mit Unverständnis begegnen wir auf dem Bözberg, in Teilen des Obern Fricktals und auf dem Linnerberg laufend den zahlreichen grossflächigen und radikalen Holzschlägen im Wald. Die eingesetzten schweren Gerätschaften hinterlassen eigentliche Pisten mit Bodenverdichtungsfolgeschäden. Pro Bözberg sagt: So nicht. Der Vortrag an der Mitgliederversammlung 2017 hat am Beispiel der Bürgergemeinde Basadingen-Schlattingen aufgezeichnet, dass es auch anders geht. Die Nutzung von Holz und die Art des Maschineneinsatzes sind nicht eine Frage des Könnens, sondern des Wollens.

Forstbetriebe missachten Schutzgebiete: Die Region des Bözbergs liegt gemäss Kantonalem Richtplan in einem „Kernraum für Landschaftsentwicklung“ (https://www.ag.ch/media/kanton_aargau/bvu/dokumente_2/raumentwicklung/grundlagen_und_kantonalplanung/richtplanung_1/richtplantext_1/Gesamter_Richtplan.pdf). Mehrere nationale, kantonale und lokale Schutzgebiete sind behörden- und grundeigentümerverbindlich ausgeschieden. Kahlschläge und Flächenhiebe in Landschaften von nationaler Bedeutung hinterlassen weithin sichtbare Schnatten und Schlagkanten an Kreten und Hängen. In den vom Bundesrat ausgeschiedenen BLN-Gebieten sollen Landschaft und Lebensräume „ungeschmälert erhalten“ werden. Diese Zielsetzung wird im Kantonalen Richtplan behördenverbindlich bestätigt. Dass sich die Forstbetriebe überhaupt nicht an die öffentlich-rechtlichen Vorgaben halten ist unverantwortlich und darf so nicht hingenommen werden.

Mehr Naturwälder: Die Linner Linde zeigt, wie alt und wie gross ein Baum werden kann. 600 bis 800 Jahre alt soll sie sein. Im ganzen übrigen Wald des Bözbergs steht kein Baum der älter als 120 Jahre ist. In vielen Waldflächen dominieren Stangenholz, Jungwuchs oder gar Brombeeren mit angepflanzten Bäumen. Pro Bözberg verlangt, dass im Kernraum für Landschaftsentwicklung der Anteil an Naturwäldern massiv erhöht wird. Dies geht mit einem Verzicht auf Holznutzung und ist im Rahmen der kantonalen Waldprogramme (mit Abgeltungen) möglich.

Waldeigentümer und Steuerzahler sollen bestimmen: Die heute üblichen grossflächigen und radikalen Holzschläge sind weder nachhaltig, noch naturnah, noch klimaneutral. Sie schädigen den Wald und die Waldböden in ihrer Substanz und sind deshalb nicht im Sinne der Waldeigentümer und der Steuerzahler. Der Wald darf nicht einfach dem Forstbetrieb überlassen werden. Ziele, Inventar und Ertrag müssen langfristig festgelegt werden.

Pro Bözberg: Mit den legal zur Verfügung stehenden Mitteln wird sich unser Verein für die ungeschmälerte Erhaltung der Landschaft einsetzen. Dies gilt auch zu Gunsten einer schonenden Waldbewirtschaftung sowie gegen Flächenhiebe und rüden Maschineneinsatz. Zielsetzung wird es sein, im Rahmen des kantonalen Naturschutzprogrammes Wald mehr Waldfläche auf dem Bözberg Priorität einzuräumen.

 

Kahlschlag oder naturnaherWald: So oder so?