Vom Wesen des Waldes

Auslichtungsarbeiten südlich des Quartiers Alte Saline (Rheinfelden)

 

Leserbrief an die Lokalpresse fricktal.info (6. Oktober 2023) und Neue Fricktaler Zeitung (13. Oktober 2023)

 

Dass der Wald rund um die Alte Saline nie zur Ruhe kommt, ist störende Erfahrung. Jetzt wurden die bekannten violetten Zeichen in unmittelbarer Wohnnähe angebracht – viele oder sehr viele – Bäume sind für die Kettensäge vorgesehen. Wer sich vor seinem innern Auge vorstellt, was nach dieser Fällaktion übrigbleibt, ahnt, dass hier der Wald in seinem Wesen ge- und zerstört wird.

Um klar zu werden: Es geht hier nicht um die mangelnde Einsicht der Anwohner in die Notwendigkeit von Auslichtungsarbeiten, es geht um das Ausmass oder besser: um die Masslosigkeit dieses Vorhabens.

Der Wald ist ein Ökosystem, also ein Zusammenspiel vieler Faktoren. Dazu gehören  beispielsweise ein eigenes Waldklima, eine tiefere Temperatur als in der waldfreien Umgebung herrscht, im Boden ein Pilzfaden-Internet, mit dem viele Bäume untereinander verbunden sind und mit dem Stoffe in allen Richtungen ausgetauscht werden.

Nur schon diese 3 Faktoren werden durch die geplanten Arbeiten beschädigt oder auch ganz zerstört.

Waldbau heisst im Wesentlichen „imiter la nature“. Die Methoden des Forstes kümmern sich aber immer weniger um die Natur des Waldes , diese weicht dem Maschineneinsatz, mit dem zwar die Holzernte etwas verbilligt  wird, die aber zu empfindlichen Langzeitschäden führt. Das erwähnte Pilz-Netzwerk im Boden wird  durch die Erntemaschinen zerstört, es liegt nur etwa 30cm tief im Boden. Es ist aber für die Fruchtbarkeit des Waldbodens verantwortlich, und braucht nach seiner Zerstörung mehrere Jahrzehnte zur Regeneration.

Der Waldbau in Rheinfelden (und damit im ganzen Fricktal – Ausnahme: Sulz) leidet unter einem signifikanten Mangel an Sensibilität der Forstwirtschaft, der Waldeigentümer und der Kontrollorgane. Dabei meint Sensibilität nicht „Sentimentalität“, sondern z.B. Wissenschaftlichkeit.

Das erwähnte Pilznetzwerk ist kürzlich in einem wunderbaren Buch  („Entangled Life“)  dargestellt worden, dort wird u.a. eine Douglasie erwähnt, die mit 250 Bäumen über Pilzfäden verbunden ist. In den Wäldern Bosniens  sagte mir  schon vor ein paar Jahrzehnten ein Förster, sein  Beruf  verlange eine „weibliche“ Hand: er meinte natürlich, eine „sensible“ (dieser Förster war  an der ETH-Zürich ausgebildet worden!). Es ist, als würde im Fricktal altes und neues Fachwissen zugunsten der modischen Waldmaschinenkultur vergessen und verdrängt.

Dabei gäbe es aktuelle Beispiele, wie man es richtiger machen könnte, nicht nur in Sulz oder Basadingen (TG), sondern auch in der Mitte unseres Kantons: Südlich von Aarau konnte ich kürzlich ein Waldrevier besichtigen, in dem naturnah gewirtschaftet wird:

Keine Löcher im Wald (also Waldklima, keine Randeffekte), Naturverjüngung (keine Pastikröhrenfelder), Einzelbaumernte (also keine Flächenhiebe, damit keine Neophyten), kein schweres Gerät auf Waldboden (Seilwinde oder Pferdeeinsatz), kleinräumig viele Baumarten – und dieses System  funktioniert! Es gibt schwarze Zahlen in der Waldrechnung, es gibt Beifall von der Bevölkerung, die Eigentümer motzen nicht – warum um Himmels Willen ist der Fricktaler Forst so lernresistent und unsensibel? Vielleicht sollte Rheinfelden seinen nächsten Waldumgang im erwähnten Wald bei Aarau  durchführen, um einmal eine bessere Waldwirtschaft  kennen zu lernen – eine die sich wirklich Mühe gibt, die Natur nachzuahmen.

Diese Zeilen sind dem Kind gewidmet, das vergeblich  mit Wasser und Seife die violetten Baummarkierungen entfernen wollte.

Jürg Keller, Rheinfelden (Mitglied von Pro Bözberg) 

Medienmitteilung: Standortentscheid der Nagra – Stellungnahme Pro Bözberg

Nukleare Entsorgung in Geologischen Tiefenlagern

Pro Bözberg nimmt den Standortentscheid der Nagra für ein geologisches Tiefenlager im Gebiet Nördlich Lägern zur Kenntnis. Dieser Entscheid ist jedoch befremdlich. Die Nagra wollte nämlich dieses Gebiet vor nur fünf Jahren, zum Abschluss der Sachplan-Etappe 2 aus der weiteren Evaluation ausschliessen, weil es den sicherheitstechnischen Vorgaben angeblich nicht genüge. Und ausgerechnet dieser Standort soll nun am besten geeignet sein? Zu dieser Frage erwartet die Öffentlichkeit von der nuklearen Aufsichtsbehörde Ensi sowie der Kommission für Nukleare Sicherheit (KNS) eine unmissverständliche Stellungnahme. Zudem wird Pro Bözberg die Begründung der Nagra auf argumentative Plausibilität prüfen, namentlich die Gewichtung der sicherheitstechnischen Kriterien. Zudem ist kritisch zu hinterfragen, inwieweit ökonomische, politische oder opportunistische Abwägungen die Standortwahl beeinflusst haben könnten.

Unabhängig vom Ergebnis der Prüfung wird Pro Bözberg das weitere Verfahren zur nuklearen Rahmenbewilligung eng verfolgen und namentlich im Technischen Forum Sicherheit spezifische Fragen einbringen. Als einspracheberechtigte Institution behält sich Pro Bözberg vor, nach Einreichung des Rahmenbewilligungsgesuchs, gemäss Art. 46 und 47 des Kernenergiegesetzes, Beschwerde gegen dessen Genehmigung zu führen.

Als Endlager-Standort steht das Gebiet Jura Ost zwar nicht mehr zur Debatte. Trotzdem wird die bereits bestehende Belastung der Bözberg-Region durch die noch über Jahrzehnte dauernde Zwischenlagerung der starkradioaktiven Abfälle in Würenlingen sowie der dort neu zu errichtenden nuklearen Hochrisiko-Anlagen für die Befüllung der Endlagerbehälter erheblich zunehmen. Auch diese Projekte wird der Verein Pro Bözberg aufmerksam und mit kritischem Blick verfolgen.

«ENERGIE» und «KLIMAWANDEL» Definitionen und Erklärungen von Prozessen

Jürg Keller, Heiner Keller, Hanni Winkenbach

 

I. ENERGIE

A. Definition

Energie hat die Fähigkeit, Arbeit zu verrichten, Wärme abzugeben oder Licht auszustrahlen. Sie ist also nötig, wenn etwas in Bewegung gesetzt, beschleunigt, hochgehoben, erwärmt oder beleuchtet werden soll.

B. Formen der Energie

 Beispiele:
– Bewegungsenergie (kinetische Energie)
– Lageenergie (potentielle Energie)
– Wärmeenergie
– Elektrische Energie
– Atomenergie, Kernenergie
– Strahlungsenergie (elektromagnetische Wellen, Sonnenlicht)
– Chemische Energie (z.B. im Zuckermolekül)

C. Umwandlungsprozesse

Bei physikalischen, technischen, chemischen oder biologischen Vorgängen kann Energie von einer Energieform in andere Energieformen umgewandelt werden.

Beispiele: In grünen Pflanzen wird die eingestrahlte Sonnenenergie in chemische Energie (z.B. Stärke) umgewandelt, bei Wasserkraftwerken die Lage-Energie des höher gelegenen Wassers zuerst in mechanische Energie (Turbinendrehung), und diese im Generator in elektrische Energie umgewandelt. Bei jeder Umformung entstehen Verluste, meistens als Abwärme.

D. Sonnenenergie

Die Energie der Sonnenstrahlung entsteht im Inneren der Sonne durch Kernfusionen und gelangt als elektromagnetische Strahlung zur Erde. Die Kernfusionen erfolgen mit unregelmässigen Intensitäten, und werden in geologischen Zeiten ihr Ende erreichen.

E. Die Sonnenenergie auf der Erde

Sonnenenergie ist die Energie, die in der Sonneneinstrahlung enthalten ist, und:
a) in grünen Pflanzen zu chemischer Energie umwandelt wird (Photosynthese) und
b) Land, Atmosphäre und Wasser erwärmt
c) Wasser verdunstet, das als Wasserdampf mit Winden aufs Land transportiert wird
d) Wärmespeicher füllt (z.B. Kollektoren), oder mit Silizium photovoltaischen Strom produziert.

F. Die Energiespeicher auf der Erde

Ein Anteil der eingestrahlten Sonnenergie wird/wurde in Speichermaterialien konserviert:

1 – Speicher aus biologischem Material

a) Kohle ist ein Produkt aus Holzstämmen und anderen Pflanzenteilen, die unter Luftabschluss über viele Mio. Jahre im Prozess der «Inkohlung» über Braunkohle zu Steinkohle, oft noch zu Anthrazit umgewandelt wurde. Bei diesem Prozess erhöht sich ständig der spezifische Gehalt an Kohlenstoff. Steinkohle ist etwa 300 Mio. Jahre alt.
b) Erdöl entsteht, wenn abgestorbene pflanzliche und tierische Kleinstlebewesen (Plankton) in einem sauerstoffarmen Umfeld umgewandelt werden. Solche Bedingungen findet man in abgeschlossenen Meeresbecken. Das Entstehungsalter von Erdöl liegt zwischen 60 Mio. und 200 Mio. Jahren.
c) Erdgas ist aus toten Lebewesen unter Mitwirkung von hohem Druck und Temperaturen entstanden. Seine Entstehung fand in fast allen Abschnitten der Erdgeschichte statt.
d) Holz ist ebenfalls ein Produkt der Photosynthese. Ohne Verbrennung, Luftabschluss (Inkohlung) oder Verwendung als Bauholz würde Holz vermodern, hauptsächlich durch Pilze, die Holz als Energiequelle nutzen.

2 – Geologische Speicher

a) Ein großer Teil der Eigenwärme der Erde stammt aus der Zeit ihrer Entstehung vor 4,7 Mrd. Jahren. Etwa die Hälfte der heute vorhandenen Erdwärme wird als Restwärme der damaligen Prozesse angesehen. Das Erdinnere ist heiss und gibt seine Wärme allmählich an die Oberfläche ab. Dies funktioniert am besten bei dünner Erdkruste (Island, Yellowstone-Nationalpark). 
Bei vulkanischen Aktivitäten dringt die Wärme des Erdinnern plötzlich an die Oberfläche. Damit können heisse Lavateppiche ausfliessen und solche Mengen von Ascheteilchen in die Atmosphäre geschleudert werden, dass das Sonnenlicht nur reduziert auf die Erde gelangt: Dies kann eine dramatische Abkühlung zur Folge haben oder auch beim Ausstoss von CO2 gegenteilig wirken

b) Mit Eingriffen in Atomkerne lassen sich enorme Energiemengen freisetzen. Man unterscheidet dabei zwischen Kernspaltungen (Uran, AKW) und Kernfusionen (zu Heliumatomen. Diese Technologie ist noch in Entwicklung, die Erwartungen/Hoffnungen sind gross).

G. Die Bedeutung der Photosynthese

Die Photosynthese (PS) mit ihrem grünen Energiewandler Chlorophyll hat mit zwei Effekten das Leben auf der Erde überhaupt erst ermöglicht:

  • Die PS braucht CO2 und gibt Sauerstoff ab. Erst mit der PS erhielt die Atmosphäre ihren heutigen 20%-Anteil an Sauerstoff und der Gehalt an Kohlendioxid wurde so stark reduziert, dass die Erdtemperatur «lebensverträglich» wurde.
  • Die PS wandelt die Energie des Sonnenlichtes in chemische Energie: z.B. Traubenzucker, Stärke, Holz.
  • Die Kurzformel der Photosynthese lautet in Worten:
    Kohlendioxid und Wasser werden mit Lichtenergie im Blattgrün* in chemische Energie und Sauerstoff umgewandelt.
  • oder noch kürzer:
    Lichtenergie + CO2+ H2O –> (im Blattgrün*) –>Sauerstoff + chemische Energie
    *Blattgrün (=Chlorophyll) funktioniert als Energieumwandler (wie Silizium in Solarzellen).

H. Atmung als Umkehr der Photosynthese

Lebewesen ohne Blattgrün (Mensch, Tiere, Pilze) benötigen für ihre Lebensfunktionen PS-Produkte (z.B. Stärke), die sie mit Hilfe von «eingeatmetem» Sauerstoff aufspalten, wobei Kohlendioxid entsteht («ausgeatmet») wird. Die in den PS-Produkten gespeicherte Energie wird dabei freigesetzt und kann für den Stoffwechsel oder das Wachstum eingesetzt werden.

J. Verbrennung

Bei jeder Verbrennung (Kohle, Erdöl Erdgas, Holz) wird durch Zufuhr von Sauerstoff die gespeicherte Energie (als Wärme) samt dem gebundenem CO2 wieder freigesetzt. Die Verbrennung ist also der Atmung vergleichbar.

K. Solarzellen und Sonnenkollektoren

a) Solarzellen wandeln – am häufigsten mit Silicium – die Energie des Sonnenlichtes in elektrische Energie um. Dieser Prozess wird auch als Photovoltaik bezeichnet. Im Prinzip ist dies also eine Nachahmung der Photosynthese, wobei aber weder Sauerstoff noch Kohlendioxid beteiligt sind.

b) Sonnenkollektoren werden oft fälschlicherweise als Solarzellen bezeichnet: Sie wandeln Sonnenenergie lediglich in Wärme um, und speichern diese meistens in Wasser oder Öl.

 

II. KLIMAPROBLEMATIK

A. Definition des Begriffs «Klima»

Zur Findung von Klimawerten werden Monatsmittelwerte (diese ermittelt aus den täglichen Wetterverläufen), über 30 Jahre in einem Datensatz zusammengefasst. Diese 30 Jahre betreffen weltweit einen standardisierten Zeitraum: Bis einschließlich 2020 war die Referenzperiode der Jahre 1961 bis 1990 der gültige und allgemein gebräuchliche Vergleichsmaßstab. Auf diesen folgte mit Beginn des Jahres 2021 die Normalperiode 1991 bis 2020. Diese Durchschnittsbildung verhindert, dass extreme und einzelne Wetterereignisse über Gebühr in die Klimabeschreibung eingehen.

Der extrem heisse und noch trockener Sommer von 1947 (5 Hitzewellen!) ist inmitten von relativ normalen Vor- und Nachjahren, und fällt deshalb bei den Klimawerten 1930/60 kaum ins Gewicht. Anders sieht es in der Periode 1990/2020 aus: Dort bündeln sich die Hitzesommer so dicht, dass der Klima-Wert sich signifikant von seinen Vorgängerwerten unterscheidet, weshalb dies ein deutlicher Hinweis für eine Klimaänderung ist.

 

B. Klimabestimmende Faktoren

Die einfallende Sonnenstrahlung wird auf der Erde teilweise absorbiert, und teilweise in den Weltraum reflektiert. Zwischen Erde und Weltraum befindet sich die Atmosphäre, die ebenfalls Sonnenlicht teilweise absorbiert und teilweise reflektiert. Dabei spielen Wolken als Produkt der Wasserverdunstung eine entscheidende Rolle: Wasserdampf ist als natürliches Klimagas zwei- bis dreimal so wirksam wie Kohlendioxid. Ohne Wasserdampf in der Atmosphäre hätte Leben nicht entstehen können: Die Erdtemperatur läge dann deutlich unter dem Gefrierpunkt.

Das Klima ist abhängig von der Entfernung vom Äquator, von der Entfernung von Ozeanen, von der Höhe über dem Meeresspiegel, von der West-Ost -Lage auf den Kontinenten, von der herrschenden Vegetation (z.B. Waldklima), von der Sonnenexposition, von Gebirgszügen und ihrer Richtung.

Zusätzlich zum Wasserdampf enthält die Atmosphäre vom Menschen freigesetzte Klimagase, die wegen ihrer Wärmeabsorption berüchtigt sind: Sie heizen Ozeane und Kontinente wetter- und klimawirksam auf. Anderseits können Vulkanausbrüche riesige Mengen an Aschenteilchen in die Atmosphäre schleudern. Diese können das Sonnenlicht vor dem Erreichen der Erdoberfläche so wirksam reflektieren, dass sich die Erde darunter abkühlt. In der Erdgeschichte kam dies relativ häufig vor (Vulkanausbrüchen können aber mit massiven CO2-Ausstössen auch massive Erwärmungen bewirken!)

Das Klima hat sich häufig verändert; bei den Dinosauriern war die Erde 6 Grad wärmer bei etwa dreimal höherer CO2-Konzerntration als heute. Als Ursachen können geringe Änderungen der Erdbahn um die Sonne, die Verschiebung der Kontinente, die Sonnenaktivitäten, und aber auch Klimagase geltend gemacht werden. Die CO2-Konzentration der Atmosphäre war bis zur industriellen Revolution weniger als halb so gross wie heute (aktuell 415 ppm*, 1970 waren es noch 315 ppm). Wenn heute der von der Menschheit verursachte Anstieg der Klimagase für die aktuelle Klimaerwärmung geltend gemacht wird, fusst dies nicht auf «Meinungen» sondern auf Berechnungen: Alle bekannten natürlichen Stör-Faktoren wurden weggerechnet, bis am Schluss die Klimagase als Hauptschuldige übrig blieben. Diese mischen sich mit der Atmosphäre so vollständig, dass ihre Konzentration in allen Weltgegenden gleich hoch ist.

*ppm= parts per million, heute gebräuchliche Einheit: 415 ppm = 0.0415 %  

 

C. Die Bedeutung der Klimagase

Treibhausgase nehmen (absorbieren, statt reflektieren) die eingestrahlte Sonnenenergie so auf, dass sie die Erde zusätzlich zu den natürlichen Gasen die Atmosphäre aufheizen. Das Kyoto-Protokoll nennt sechs vom Menschen emittierte Treibhausgase: Die aktuell wichtigsten davon sind Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4), und Lachgas (N2O):

  • Kohlendioxid entsteht bei allen Atmungs- und Verbrennungsprozessen
  • Methan (20mal wirksamer als CO2) gelangt aus Wiederkäuermägen in die Atmosphäre (1 Kuh stösst täglich 300 Liter Methan aus, 1 Schaf 50 Liter), und entweicht aus trocken gelegten Mooren
  • Lachgas (300mal wirksamer als CO2) entsteht aus tierischem Dünger (Jauche) und Stickstoffdünger. 

 

D. Fossile Energiespeicher und ihr Kohlendioxid

Fossile Energiespeicher sind geologisch alte Depots von photosynthetischen Produkten, die unter Luftabschluss einen Umwandlungsprozess (z.B. Inkohlung) durchliefen und dabei zu Kohle, Erdöl, Erdgas und Torf wurden.
Bis zur industriellen Revolution (beginnend ca. 1750) deckte die Menschheit ihren Energiebedarf fast ausschliesslich mit Holz. Dann begann die Nutzung fossiler Energiespeicher, zuerst Kohle, später Erdöl und Erdgas. Damit wird das durch die PS über Jahrmillionen der Atmosphäre entzogene CO2 wieder freigesetzt, womit die gegenwärtige Klimaerwärmung immer schlüssiger erklärt werden kann.

 

E. Holz als Energiespeicher

Baumstämme waren das Ausgangsmaterial für Kohle. Unter Luftabschluss haben sie sich über Braunkohle in Steinkohle und zu Anthrazit gewandelt, ohne dabei ihren ursprünglichen Kohlenstoffgehalt zu verlieren.
Im heutigen Wirtschaftswald sind geschlagene Stämme Energie- und CO2-Speicher, die während des Baumwachstums «gefüllt» wurden. Will man diese Speicher erhalten, müsste Holz als Bauholz erhalten bleiben. Wer aber Holz verbrennt, macht im Prinzip das Gleiche, wie wenn er einen fossilen Brennstoff verbrennt. Man wechselt einfach z.B. von Kohleverbrennung zur Verbrennung von Holzschnitzeln: Das ist ein blosser Austausch (Substituierung), keine prinzipielle Änderung.

 

F. «Erneuerbare Energien»

Der Begriff ist physikalisch eigentlich falsch: Der Energiegehalt des Weltalls ist gegeben, Energie kommt in verschiedenen Formen vor, geht aber nicht verloren und kann auch nicht erneuert werden.
Man meint mit dem Begriff «erneuerbare Energien» heute gemeinhin die Nutzung der aktuell eingestrahlten Sonnenenergie. Diese liefert Lichtenergie und die Wärmestrahlung. Die Lichtenergie wird von grünen Blättern (PS) und Solarzellen genutzt, die eingestrahlte Wärme von Wärmepumpen, Kollektoren, Erdsonden und vom gesamten Wettergeschehen: mit diesem lassen sich von höheren Lagen niederfliessende Gewässer in Turbinen nutzen, oder auch Windmühlen antreiben.
Alle diese Nutzungen greifen nicht in den Haushalt der vorhandene Energiespeicher ein, setzen also auch keine Klimagase frei. Diese Nutzungen sind deshalb «klimaneutral», weil sie die Klimagase in der Atmosphäre nicht anreichern. Der Prozess, der zu dieser Klimaneutralität führt, heisst Dekarbonisierung, mit folgender Definition (Wikipedia):
Bei der Dekarbonisierung werden Handlungen und Prozesse, durch die CO2 (Kohlenstoffdioxid) freigesetzt wird, durch solche Prozesse abgelöst, bei denen diese Freisetzungen unterbleiben.

 (Von «klimafreundlich» sollte man erst sprechen, wenn man nicht nur den status quo der Atmosphäre halten will, sondern diesen durch aktive Reduktion der Klimagase verbessern will. Das versucht u.a. die «NET», siehe unten).

 

G. Die Entnahme von Klimagasen aus der Atmosphäre

Unsere Atmosphäre enthält bereits bedenklich viele Klimagase: Seit 1800 hat sich die Konzentration von CO2 in der Luft mehr als verdoppelt. Die Zunahme der Hitzesommer dürfte – auch bei vorsichtiger Wertung der Messergebnisse – auf diese Zunahme zurückzuführen sein.  „Klimaneutralität“ reicht also nicht mehr, um der jetzigen Klimaerwärmung Herr zu werden. Dazu muss der aktuelle Gehalt an Klimagasen reduziert werden, also vor allem CO2 aus der Luft entfernt werden. Es bieten sich dazu 2 Möglichkeiten an:

a) Die einfachste Möglichkeit: Die Vergrösserung des Holzspeichers
Holz entsteht unter Entnahme von CO2 aus der Atmosphäre Dieser CO2-Speicher dürfte deshalb nicht durch Verbrennung geleert werden, sondern müsste als Bauholz langfristig konserviert bleiben.
Mit neuen Aufforstungen könnte zusätzliches CO2 der Atmosphäre entnommen werden.
Die Waldwirtschaft könnte einen weiteren Beitrag leisten, indem sie die Bäume älter werden liesse. Meistens werden sie in dem Alter geschlagen, in dem sie am meisten Holz bilden könnten (frisch gepflanzte Bäume brauchen ein paar Jahrzehnte, bis sie ihre PS-Produkte namhaft in das Stammwachstum «investieren», vorher hat der Ausbau des Wurzelwerkes Priorität.

Dieser natürlichen Aufstockung der CO2-Speicherung im Wald steht die Waldpolitik rechtwinklig im Weg. Als «Energieholz» bringt der Wald schwarze Zahlen in die Rechnung der Wald-Eigentümer – und deren Lobby ist politisch stark. Der Homo politicus ist weniger wissenschaftlich ansprechbar als über kurzfristigen Gelderwerb und amortisationspflichtige Prestige-Maschinen. Das Gebot der Dekarbonisierung droht deshalb an der Kurzsichtigkeit der Menschheit zu scheitern.

b) Mit technischen Mitteln CO2 aus der Luft entfernen (NET)
Dieses neue Werkzeug ist in der Pilotphase: Die grösste Anlage dazu steht in Island und heisst «Orca». Das herausgefiltert CO2 wird mit heissem Gestein in eine dauerhafte Verbindung gebracht. Weil dabei der CO2-Gehalt der Atmosphäre vermindert wird, bezeichnet man diese Technik als «Negativ-Emissions-Technologie» (NET). Andere Technologien mit ähnlichem Ziel werden unter dem Begriff «Direct Air Capture and Storage» (DACS) zusammengefasst.

c) Es ist auch möglich, den Prozess der Inkohlung (vom frischen Pflanzenmaterial zur Steinkohle) technisch in kurzer Zeit bei hoher Wärme durchführen: Aus Schnittgut wird dabei Pflanzenkohle. Diese ist im Ackerboden ein dauerhafter Kohlendioxidspeicher und soll die Bodenfruchtbarkeit unterstützen. (Pilotprojekt IWB in Maisprach BL).

 

J. Holzverbrennung und Klimaneutralität – eine Selbsttäuschung.

Holzverbrennung zur Wärmegewinnung wird häufig als nachhaltig, klimafreundlich, oder gar CO2- neutral bezeichnet, und wird damit von der Verbrennung fossiler Brennstoffe (Kohle, Erdöl, Gas) unterschieden. Mit Wärmezentralen, die Holzschnitzel verbrennen, wird mit diesem allgemein verbreiteten Irrtum ein gutes Klima-Gewissen eingehandelt – ohne Berechtigung.
Der Verbrennungsprozess ist bei allen Brennstoffen chemisch-physikalisch gleich. Kohle, Erdgas und Erdöl sind wie Holz aus der PS hervorgegangen, und ihre Verbrennung bedeutet immer die Umkehr ihres Entstehungs-Prozesses, also: Sauerstoff wird gebraucht, CO2 und (Wärme-) Energie werden freigesetzt.
Die fossilen Energieträger stammen aus geologisch alten Zeiten und können deswegen nicht mehr erneuert werden. Holz ist der jüngste Brennstoff und Bäume wachsen bekanntlich in 1-3 Jahrhunderten wieder nach. Dieses Nachwachsen täuscht einen prinzipiellen Unterschied zur Verbrennung fossiler Brennstoffe vor, den es nicht gibt: Die Holzverbrennung setzt pro Wärmeeinheit sogar mehr CO2 frei als die Verbrennung von Gas, Erdöl oder Kohle. Die Gleichheit von allen Verbrennungsprozessen wird oft auch von denen nicht begriffen, die von der Notwendigkeit der Dekarbonisierung überzeugt sind, die aber das bei der Holzverbrennung freigesetzte CO2 offenbar für ein sehr spezielles CO2 halten:
Holz ist ein Energie- und CO2-Speicher wie Kohle, Gas Erdöl. Mit seiner Verbrennung wird dieser Speicher sofort und ganz geleert:  Das während der Wachstumszeit des Baumes aufgenommene CO2 wird plötzlich der Atmosphäre zurückgegeben, und wirkt dort auch sofort als Treibhausgas.
Diese Wirkung wäre bei der Verbrennung von fossilen Brennstoffen aber ziemlich gleich.
Nun wächst der Wald aber nach, und innerhalb eines Jahres wird wieder so viel Holz geschlagen, wie nachgewachsen ist («Nachhaltigkeit der Nutzung»). Dieser neue Speicher wird bei seiner Verbrennung aber auch wieder sofort geleert, denn Schnitzelheizungen brauchen kontinuierlich Brenngut.
Würde man nun anstelle von Holz Erdgas verbrennen, würde der globale Gasspeicher zwar kleiner, aber der Wald könnte in dieser Zeit seinen CO2- Speicher entsprechend vergrössern (als Bauholz oder durch Baumwachstum).
Gleicherweise: Wer mit Erdöl heizt, reduziert zwar die Erdölvorräte, schont aber die Erdgasvorkommen, das Waldholz und die Kohlevorräte: Bei jeder Verbrennung wird ein Brennstoff-Reservoir angezapft. Nur bei der Nutzung von Wasser-, Wind und Sonnenergie nutzen wir keines unserer Energiedepots, sondern können unsere Energielager mittels zunehmende Holzvorräte sogar vergrössern.
Holzverbrennung ist folglich nichts als eine Substituierung (Ersetzen) des Energieträgers. Dies ist in Zeiten, in denen fossile Brennstoffe als Waffe eingesetzt werden, verständlich. Am grossen Ziel der «Klima-Rettung» ändert dieser aktuelle Zwang aber nichts: Wir müssen uns von Verbrennungsprozessen aller Art trennen, also konsequent dekarbonisieren. Holzverbrennung ist dabei kein Ausweg, sondern wie Kohle-, Gas- oder Erdöl-Verbrennung auch nur eine Karbonisierung.

 

K. Zum Schluss: Die politische Hoffnung: «Netto-Null»

Die menschliche Natur lässt keine Hoffnung auf eine völlige Vermeidung der CO2-Emissionen zu.

Weil aber die Ozeane ungefähr die Hälfte unserer Emissionen aufnehmen (CO2 wird in den Ozeanen gelöst wie im Mineralwasser), müssen wir «nur» die Hälfte davon vermeiden. Diese Reduktion um 50% wird als «Netto-Null» bezeichnet, weil die Atmosphäre dabei keine Anreicherung von CO2 erfährt. Dazu haben wir noch etwas, aber wenig Zeit: Bei 500 ppm CO2 wird es endgültig ungemütlich auf unserem Planeten. Innert 2 Jahrhunderten haben wir den natürlichen Gehalt (weniger als 200 ppm) mehr als verdoppelt: 2020 waren es bereits 415 ppm, und wir legen weiterhin zu. Die Bremsung der Zunahme kann aber relativ einfach durch die gezielte Förderung von Wäldern erreicht werden: Vor allem in den gemässigten Breiten könnten bei entsprechender Bewirtschaftung Bäume die genannte Hälfte unserer CO2-Emissionen aufnehmen. Man müsste das im Holz gespeicherte Kohlendioxid aber in Bauholz gespeichert halten, und nicht durch Verbrennung freisetzen.

NB: «Nachhaltigkeit»
Der Begriff ist derart missbraucht worden, dass er fast nur noch für Missverständnisse taugt. Man verzichte deshalb generell auf seine Verwendung; er wurde hier deshalb auch nicht benützt.

 

Verfasst von:
Jürg Keller, Rheinfelden, 04.09.2022
mit der wesentlichen Mithilfe von Heiner Keller, Zeihen, und Hanni Winkenbach, Münchenbuchsee (alle ETHZH)